„Messer Gabel Schere Licht
sind für kleine Kinder nicht.“
Wer diesen Spruch noch kennt, outet sich als alt, mit einer Kindheit, in der die Struwwelpeter-Pädagogik noch ihre Trittspuren hinterlassen hat. Da spielt Paulinchen allein zu Haus mit Streichhölzern und fackelt sich selber ab. Schön blöd, hätten die Eltern ihr halt den Umgang mit gefährlichen Haushaltsgegenständen beigebracht, statt zu behüten und verbieten. An die Handhabung von Messer und Gabel kann man die Kids nicht früh genug gewöhnen, damit denen, die später den groß Gewordenen beim Essen zuschauen müssen, nicht der Appetit vergeht. Und Basteln ohne Schere?
All das gehört sehr wohl in Kinderhand; was man aber dort nicht sehen will, ist der pädagogische Holzhammer.
LeserInnen haben sicher die Aufregung um den Song von der Oma, der alten Umweltsau, mitbekommen. Ich habe mich dabei zwar nicht „persönlich betroffen“ gefühlt, aber sah mich doch etwas beleidigt durch die Instrumentalisierung eines schön absurden Lieds für plump anbiedernde Zeigefingerpädagogik. Da gibt kein Bandwurm mehr Pfötchen, stattdessen will uns ein Witz vom Kaliber des zu Recht verschwundenen Zahnputzkaspers auf den Fuß treten, eine Figur, die unser Zeichner Melchior als Kinderbuchforscher schon vor 40 Jahren zum Erbrechen komisch fand.
Deshalb habe ich die Löschung dieser Schote sehr begrüßt, mir nur heimlich gedacht, hoffentlich werden jetzt nicht die Rechten… und natürlich haben sie`s getan: eine Demonstration vor dem WDR-Haus, Hassmails und Drohungen an Mitarbeiter im Netz, das ganze miese Programm. Begleitet vom Chor der Wutbürger, der wieder mal nach Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks jault.
Verdammt, darf man hier nichts mehr sagen, ohne gleich in die schlechteste Gesellschaft zu geraten?
Der Autor Peter Zudeick, rechtsextremer Gesinnung kaum verdächtig, hat ein Buch geschrieben,, in dem er auffordert, verkitschte und ideologisch aufgeladene Begriffe, die aber zur emotionalen Grundausstattung vieler Menschen gehören, wieder neu zu besetzen, kurz gesagt: sich nicht von den Nazis das Sprechen und Denken vorschreiben zu lassen.
Das kann für den Alltag auch bedeuten, dass man die kritische Vernunft ( nicht zu verwechseln mit dem gesunden Menschenverstand, den unser Verkehrtminister Scheuer für die Ablehnung eines Tempolimits bemüht!) nie unbeschäftigt lassen soll.
--- Man kann für den Umweltschutz aktiv sein, ohne die Greta-Hype zu teilen,
--- man kann das SPD-Video von Jan Böhmermann zähneknirschend bewundern,
Und trotzdem wünschen, er hätte zur Oma-Umweltsau–Debatte die Klappe gehalten,
--- Leserin J. und Leser F. können zu diesem Thema überhaupt nicht meiner Meinung sein und trotzdem nicht drohen, meinen Hund zu vergiften ( ich habe allerdings keinen).
Deshalb wünsche ich schlußendlich J. und P. und allen unseren Interessierten für das Jahr 2020 ein aufregendes Wandern und frohes Tanzen zwischen allen Stühlen!
PS:
Sollte dann doch mal ein AfD-Mann vorbei schauen, um sich zu bedanken, empfehle ich ff.:
ihn höflich herein bitten, ihn in einen Spezialsessel mit Halteklammern für Arme und Beine setzen, und gnadenlos aus dem Grundgesetz vorlesen.
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- 06.01.2020