Ich weiß nicht, ob die FDP an seinem Grab die Worte „Du bist uns nur vorausgegangen“ einmeißeln ließ, wenn ja, dann war’s prophetisch. Fest steht, dass Westerwelle ein glühender Vertreter des Neoliberalismus war, ein Ellenbogenmensch, der seinen Vorgänger abservierte, Gegner niederrang und sich Kritik als Einmischung verbat. Und so kam es zum Satz, der zwar nicht die Berühmtheit erlangte, wie sein Gefasel von der „spätrömischen Dekadenz“, der mich aber vor über 25 Jahren zu einem Gedicht animierte, das in Teilen in der Satirezeitschrift Eulenspiegel abgedruckt wurde.
„Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, ist einer, der die Sache regelt.“ Das konnte natürlich nur einer sein, nämlich Käpt’n Guido, der wie sein Gegenstück, Käpt’n Iglu, minderwertiges Zeug als vortreffliche Ware verkaufte. Der eine halt Fisch, der andere Ideologien.
Käpt’n Guido
Auf jedem Schiff, das dampft und segelt,
ist einer, der die Sache regelt.
Er hält die Mannschaft nicht für gut,
ist daher ständig auf der Hut.
Der Hut jedoch hat eine Delle.
Der Käpt’n nennt sich Westerwelle.
Nun, auf dem Schiff, das dampft und segelt,
da ist auch einer, der gern flegelt,
der hetzt und stichelt – schlimme Dinge –
zerstückelt auch gern Rettungsringe,
wirft Flugblätter in die Kajüten;
er lässt sich halt nicht lange bitten.
Wenn dieses Schiff den Anker lichtet,
glaubt jener, der die Sache richtet,
dass Neptun Genscher ihn beschützt
(was nur im Zweifelsfall nichts nützt).
Denn hier an Bord hat er alsdann,
den Mölle- als Klabautermann.
Auf jenem Schiff, das ächzt und schlingert,
ist einer, der das noch verschlimmert.
Der Heizer Rexrodt, der nicht geizt,
den Kohlenvorrat froh verheizt
und auf den Kobold zeigt voll Gram:
Schuld ist nur der! Der Möllemann.
Doch wenn das Schiff erst havariert,
gibt’s einen, der sich nicht geniert
dann hinterher Kritik zu üben,
die Schuld den andern zuzuschieben.
Wer das wohl ist, in diesem Falle?
Nein, dann nicht einer, dann sind‘s ALLE.
Und ist das Schiff dann erst gestrandet,
gibt’s einen, der recht unsanft landet.
Bis gestern ruhmreich und gerissen,
wird heute er von Bord geschmissen.
Es ist der Kobold Möllemann.
Das hat er nun vom Größenwahn.
Es ist soweit! Der Kahn, er sinkt.
Dein Wunder, wenn’s der Mannschaft stinkt.
Denn jener Kapitän der Crew,
grinst nur verlegen und schaut zu.
Ganz höflich wird er zwar gebeten,
höchst selber jetzt zurückzutreten,
denn was sich heute Käpt’n nennt,
verdient kein Kapitänspatent.
Doch Käpt’n Guido, nicht verlegen,
er schleudert seiner Crew entgegen:
„Wir sind auf See! Was soll der Stuss?
Der Kapitän, der geht zum Schluss!“
- Restmüll
- 20.03.2026