Dienstag, 10.3. Katerstimmung
„Rückwirkungen auf die Koalition in Berlin“ sieht Kanzler Merz nach dem Ergebnis in BW nicht.
Streiten und Zanken können sie nämlich auch gut ohne Landtagswahlen.
Derweil gibt sich die CDU in Baden-Württemberg unversöhnlich und stellt hohe Anforderungen an die Grünen für anstehende Gespräche zur Regierungsbildung. Die Stimmung sei kühl, sagte Vize-Regierungschef und Innenminister Thomas Strobl kurz vor einer Sitzung der neuen und alten CDU-Fraktion in Stuttgart. Das politische Klima in Baden-Württemberg sei aus den Reihen der Grünen „nachhaltig vergiftet“ worden.
Was man halt so sagt, wenn man für sich mehr Posten hausholen möchte, als einem zusteht.
Parteigeneral Vogt sprach auch am Montag wieder von einer „niederträchtigen Vernichtungskampagne nach amerikanischem MAGA-Trump-Vorbild“. Gemeint war das berüchtigte 8 Jahre alte Video mit dem Spruch von den „rehbraunen Augen“ einer 16jährigen Schülerin.
Dadurch wurde Hagel die Wahl, wie es so schön heißt, gestohlen. Vermutlich werden sie Özdemir täglich einen Strafzoll von 20% abknöpfen, ehe man ihn seinen Regierungssitz betreten lässt.
Die Not für Kanzler Merz wird größer. Sollte die CDU auch noch bei der Wahl in Rheinland-Pfalz in zwei Wochen mit Gordon Schnieder an der Spitze nur auf Platz zwei landen, dürfte das ein größeres Beben in der Kanzler-Partei nach sich ziehen.
Und an der Spree sitzt Angela Merkel und wartet gelassen, bis die leblosen Reste des Fritze Merz vorübertreiben...
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Montag, 9.3. Ernüchterung
Einen Tag nach der Wahl zeigt sich schon, wer ein schlechter Verlierer ist. Nachdem der Wähler in seiner für ihn typischen Grausamkeit für einen Gleichstand der Mandate gesorgt hat, geht das Hauen und Stechen schon los. Neueste Forderung der CDU: Ein rotierender Ministerpräsident.
Den haben wir allerdings bereits in Bayern. Wer’s nicht glaubt, rufe Söder die Worte „Habeck, Grüne, Wärmepumpe“ zu.
Özdemir lehnte die Forderung, nach regelmäßigem Wechsel auf dem BW-Thronsessel ab.
Warum eigentlich? Ich wäre schon so fair und würde dem Unterlegenen an Sonn- und Feiertagen, sowie in der Faschingswoche und am 1. April den Posten überlassen.
Mitglieder der Grünen-Jugend haben offenbar versucht, den umstrittenen Ex-Grünen-Politiker Palmer von der Wahlparty der Grünen zu drängen. Kaum habe er das Foyer betreten, seien Mitglieder der Grünen Jugend zu ihm gekommen. „Mir wurde gesagt, dass ich Cem schade“, so Palmer zumSPIEGEL.
Das kann sogar stimmen. Die CDU wird nicht erfreut sein, wenn ein parteifreies Mitglied des Koalitionspartners sie rechts überholt.
Nach dem Aus in BW hat Merz die FDP für politisch tot erklärt, was die in Brüssel verschimmelnde Frau Strack-Zimmermann bitterböse zurückweist.
Solange Frau „Strack-Rheinmetall“ noch im Amt ist, kann man Lindners Reste-Rampe höchstens als Untote bezeichnen.
Einen Tag nach der Landtagswahl in BW hat CDU-Spitzenkandidat Hagel seinen Rücktritt als Landeschef angeboten. Das Angebot sei klar und einstimmig abgelehnt worden, sagte Landesgeneralsekretär Vogt am Abend. Hagel soll nun mögliche Koalitionsverhandlungen mit den Grünen führen.
Sollte er nicht genug für die CDU rausholen können, kann er immer noch abserviert werden.
Der parteilose Tübinger Oberbürgermeister Palmer heizt Spekulationen über einen Wechsel in die Landespolitik an. Es gehe nun für die Grünen vordringlich darum, Vertrauen zur tief verletzten CDU aufzubauen, um eine Fortsetzung der Koalition zu organisieren, sagte er der SÜDWEST PRESSE.
Am besten als Integrationsminister.
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22 Uhr 33
Die Grünen kriegen sich gar nicht mehr ein, von der grünen Jugend einmal abgesehen. Da geht der von Friedrich Küppersbusch in der ''T'AZ zitierten Satz von Özdemir glatt unter, wonach er von seiner grünen Schwesterpartei gesprochen hat.
Den Zahlen nach sogar die "kleine Schwester". Und die ist schwer erziehbar.
22 Uhr 30
Analysen zeigen, dass viele ehemalige Nichtwähler ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben.
Das dürfte die Rache der - ehemaligen - arbeitsunwilligen Bürgergeldempfänger gewesen sein. Und derjenigen Bürgergeldempfänger, die mit ihnen in einen Topf geworfen wurden.
22 Uhr 22
Das Rennen ist weitgehend gelaufen. BW bleibt wohl grün, der Rückenwind für Hagel war eher ein Tritt in den Hintern von Merz. Dank an Frau Reiche und ihrer Drohung vor dem Aus für die solare Einspeisung und Jens Span, der so euphorisch die Freiheit bejubelt hat, teures Öl und Gas kaufen zu dürfen. Jetzt schau mer mal nach Hessen, wo der Amtsinhaber Schweizer von der SPD mit einer Aufholjagd droht.
21 Uhr 55
Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschlands, Gökay Sofuoglu, sieht im Wahlerfolg von Cem Özdemir ein Zeichen für eine "Normalisierung der Gesellschaft".
Oder, wie man im Ländle so schön sagt: "Mir hen nix gäga an Türk, er muss halt schwäbisch schwätza kenne."
21 Uhr 23
Noch kein vorläufiges Endergebnis und der Vorsprung der Grünen schmilzt. Von 3% auf 0,6%.
Vielleicht läuft es ja auf einen Gleichstand hinaus. Und einem Münzwurf - Kopf oder Zahl.
20 Uhr 30
Die Grüne Jugend hat auf den sich abzeichnenden Wahlsieg von Bündnis 90/Die Grünen in Baden-Württemberg mit scharfer Kritik am Spitzenkandidaten Cem Özdemir reagiert. "Wichtiger als ein gutes Ergebnis für die Partei ist am Ende auch gute Politik für die Menschen in Baden Württemberg."
Wie gute Politik für die Menschen aus der Opposition heraus durchzusetzen ist, das wird der Jungspund sicher noch lernen. Opa Kretschmann war ja auch mal ein extrem Linker.
20 Uhr 26
"Cem ist der neue Kretsch!" Meinte eben Boris Palmer.
Aber Palmer ist immer noch der alte Pumuckl. Mal sehen, ob Meister Özdemir ihn tatsächlich zum Minister macht, wie er schon einmal gemeint hat.
20 Uhr 20
Und noch einer nimmt am Rücktritts-Domino teil. Der SPD-Spitzenkandidat von BW, Stoch, wird seinen Posten räumen.
Denn Insolvenzverwalter hat er nicht gelernt.
19 Uhr 52
Überraschung bei der Bürgermeisterwahl in München. Der Favorit Reiter von der SPD wurde zwar nicht aus dem Sattel gehoben, aber er hängt doch etwas schräg. Er muss in die Stichwahl und hat einen Grünen als Gegner.
Gut denkbar, dass die Münchner in ihrer Grausamkeit den Söder mit einem grünen Münchner Bürgermeister ärgern wollen. Darauf eine Bratwurst!
19 Uhr 40
Laut Phoenix steht die SPD jetzt vor einem Umbruch.
Dann ist es zum Zusammenbruch auch nicht mehr weit.
19 Uhr 16
Bei der neuen Hochrechnung zeigt die ARD unfreiwilligen Humor: "Die SPD stabil bei 5,5% - muss sich also keine Sorgen machen."
19 Uhr 14
Die LINKE tröstet sich damit, noch nie so viele Stimmen in BW bekommen zu haben.
Also 0,8% mehr. Von 100 Personen ein einziger Hansel. Und der ohne Kopf.
19 Uhr 06
Die ARD in Hochform beim Interview mit dem Noch-Ministerpräsidenten.
Interviewerin nach der Begrüßung: "Und?"
Kretschmann: "Sehr gut."
Der Rest waren die üblichen Allgemeinplätze.
19 Uhr 02
SPD und CDU im Bund sind schon dabei, ihre Wunden zu lecken, aber nicht gegenseitig. Nur der Spitzenkandidat der FDP leckt keine Wunden, sondern lässt sich am Allerwertesten lecken. Er will noch diese Woche zurücktreten. Fragt sich nur, wer seinen Job noch machen möchte.
18 Uhr 45
Die FDP ist geknickt. Landeschef Hans-Ulrich Rülke hatte von der "Mutter aller Wahlen" gesprochen und gesagt, wenn man hierzulande nicht den Einzug ins Parlament schaffe, dann glaube niemand mehr, dass das noch anderswo möglich sei.
Und das Gesicht von ihm beim ersten Interview in der ARD war so traurig, dass ich mir ausnahmsweise jeden hämischen Kommentar spare. Außer einem kleinen Ätsch!
18 Uhr 40
Schönsprecher Frei klammert sich wie ein Ertrinkender an einen Balken an die weitere Auszählung. "Die erste Hochrechnungen zeigen ja schon Veränderungen zu unseren Gunsten."
Man muss ihm noch beibringen, dass erst die kleineren Orte ausgezählt werden, die traditionell mehr CDU wählen. Die eher grünen Städte kommen erst noch.
18 Uhr 30 Die erste Hochrechnung ist raus. Wenig Veränderung. Die AfD hat mal wieder Probleme mit der Mathematik und jubelt über ihre Verdoppelung (10 plus 10 ist 17) und erinnert sich nicht mehr an die eigene Parole von 25% PLUS. Nun ja.
18 Uhr 05. Wer hätte das gedacht? Cem Özdemir, vor wenigen Wochen noch 8% im Rückstand, hat nun plötzlich 3% Vorsprung. Betretene Gesichter bei der SPD, die aber bereits seit Tagen an ihrer Argumentation gefeilt hat: War ja klar, dass die Grünen vorne liegen. Das geht zu unseren Lasten. Stimmt zwar, aber hilft halt auch nicht weiter.
18 Uhr 10 Ein fantastisches Ergebnis, meinen die Grünen. Auch wenn es nur zustande kam, weil der Spitzenkandidat sich maximal von ihnen distanziert hat.
18 Uhr17 Dem Spitzenkandidat der CDU hat es das Ergebnis ordentlich (ACHTUNG WORTSPIEL) verhagelt. Zugelegt, aber es hat nicht gereicht. Macht aber nix, er darf mitregieren. Und das ist ja die Hauptsache.
12 Uhr Es gibt eine Formel, mit der man bereits im Vorfeld den Wahlgewinner in BW eruieren kann:
Körperlänge x Geistesgröße minus Handlungsspielraum plus Selbstbeherrschung geteilt durch Sachzwänge minus Parteipolitik. Das Ergebnis ist wenig überraschend. Sowohl der schwarze Hagel als auch der sehr hellgrüne Özdemir schneiden gleich ab. Jetzt liegt's mal wieder am Wähler, wer die Regierungsarbeit an den Hals bekommt. Der Gleichstand, quasi das Gleichgewicht des Schreckens zwischen Grün und Schwarz droht die kleineren Parteien zu zermalmen, weil das naive Wahlvolk glaubt, sich zwischen zwei Ideologien entscheiden zu müssen - zumindest im Ländle reiner Aberglaube.
Außerdem finden in Bayern Kommunalwahlen statt. Hier wird es zwar Sieger geben, aufgrund der Finanzlage jedoch kaum Gewinner. Stoff ist also reichlich da und der wird heute unverzüglich bearbeitet und online gestellt.
Ab 18 Uhr gibt es hier frische Kommentare, die in den nächsten Tagen regelmäßig aufgefrischt werden. Ich bitte alle, die hier vorab schon reinschauen, keinen allzu großen Mist zusammenzuwählen, um mir die Arbeit nicht künstlich zu erschweren. Bis dann!
- Restmüll
- 09.03.2026